Kaffee: Genuss ohne Reue

Foto: Stokpic_Ed Gregory

Seit Jahrhunderten trinken die Menschen Kaffee, heute gehören Latte Macchiato, Frapucchino und Co. zu den Lifestyleprodukten, die immer beliebter werden. Doch neben dem Geschmack des Kaffees interessieren vor allem seine Wirkungen auf den Körper.

Verschiedene wissenschaftliche Studien belegen nicht nur die gesundheitlichen Wirkungen von Kaffee, sondern räumen auch mit verbreiteten Vorurteilen auf. So z.B. damit, dass Kaffee dem Körper Flüssigkeit entziehen soll.

Das ist nicht wahr, sondern Kaffee leistet einen positiven Beitrag zur Flüssigkeitsbilanz des Körpers. Das Glas Wasser zum Espresso dient daher auch nicht als Ausgleich der Flüssigkeitsmenge, sondern dazu, dass die Geschmacksknospen der Zunge die feinen Aromen des Kaffees besser spüren.

Der Tchibo Kaffeereport von 2015 zeigt, dass knapp 14 Prozent der Deutschen vermuten, dass Kaffee abhängig macht. Das ist jedoch falsch. Tatsächlich gewöhnt sich der Körper an eine regelmäßige Zufuhr von Koffein.

Eine Abhängigkeit oder Sucht entsteht dabei nicht. Allerdings erleben manche Menschen beim Absetzen von Kaffee vorübergehend Symptome, die einem Entzug gleichen, wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, zittrige Hände oder Blutdruckschwankungen.

Weitere Fakten aus dem Kaffeereport von 2015:

  • Jeder neunte Bundesbürger (11,3 Prozent) glaubt an die positive Wirkung von Kaffee, ein Viertel (25,3 Prozent) der Deutschen sieht negative Einflüsse, ein weiteres Viertel (24,8 Prozent) erkennt keinerlei Einfluss von Kaffee auf die Gesundheit.
  • Langjähriger moderater Kaffeekonsum kann das Risiko verringern, an Diabetes Typ II, Alzheimer und anderen altersbedingten Demenzformen sowie einigen Krebsformen zu erkranken.
  • Werdende und stillende Mütter müssen nicht auf Kaffee verzichten. Sie sollten die tägliche Koffeindosis von 200 Milligramm nicht überschreiten. Das entspricht etwa zwei Tassen. Koffein ist aber auch in Tee, Kakao und einigen Softdrinks enthalten.
  • Kaffee kann Migräne und Kopfschmerzen lindern helfen. Das Koffein verengt die Gefäße im Gehirn und bremst so offenbar den Schmerz.

Zur besseren Verträglichkeit

In Kaffeebohnen steckt nicht nur Koffein, sondern eine Vielzahl von Substanzen, deren Anteile je nach Sorte, den Herkunftsgebieten und der Verarbeitung variieren. Dazu zählen beispielsweise Chlorogensäuren und Kaffeesäuren, Mineralstoffe, Proteine, Alkaloide und Fette.

Das Hauptaugenmerk liegt allerdings auf dem Koffein, genauer dem 1,3,7-Trimethylxanthin, einem Purin-Alkaloid, das mit Theophyllin (im Tee) und Theobromin (im Kakao) eng verwandt ist. In höheren Dosen sind Alkaloide allerdings giftig.

Koffein wirkt vor allem als mildes Stimulans auf das zentrale Nervensystem. Es regt die Herztätigkeit an, steigert den Blutdruck und die Körpertemperatur, stimuliert die Muskeltätigkeit, regt die Verdauung an und erweitert Bronchien und Blutgefäße. Außerdem werden Stimmung, Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit, Leistungsvermögen und Schlaf durch Koffein beeinflusst.

Doch nicht jeder Mensch verträgt Kaffee. Wer z.B. Magenprobleme hat, sollte zu einem Espresso greifen. Die Bohnen sind hier länger geröstet, wodurch Säuren und Reizstoffe zerstört werden. Und: Kaffeezubereitungen mit Milch sorgen dafür, dass die Reizstoffe länger im Magen verweilen.

Bei einer Überempfindlichkeit gegenüber Koffein, die sich mit Schwitzen, Unruhe oder Schlafproblemen zeigt, kann man es mit koffeinfreiem Kaffee versuchen – oder den Kaffeekonsum einschränken. Mit Kaffeesahne (wichtig ist ein gewisser Fettgehalt) kann das Koffein etwas entschärft werden.

Espresso schmeckt zwar stärker und intensiver als Kaffee, liefert aber tatsächlich weniger Koffein – aufgrund der geringeren Menge in der Tasse.

Weitere nützliche Hinweise

  • Bei einem erhöhten Cholesterinspiegel wird die Zubereitung mit Filtertüten empfohlen und von Espresso, Pressstempel-Kannen sowie Kapsel-Kaffee abgeraten. Bestimmte ölige Substanzen, die das LDL-Cholesterin steigen lassen (um 10 Prozent und mehr), bleiben nämlich nur in feinporigem Filterpapier hängen.
  • Das Koffein in einer Tasse Kaffee erhöht den Blutdruck kurzfristig um 10 bis 20 mmHg. Bei hohem Blutdruck oder geschädigten Gefäßen kann das ein Problem darstellen.
  • Bei einer Histamin-Intoleranz (Mangel an dem Enzym DAO) kann das Koffein die Beschwerden verstärken, weil es DAO im Körper blockiert. Wer nicht auf Kaffee verzichten möchte, kann das fehlende DAO in Kapselform zuführen.
  • Frauen, die an PMS leiden, haben in der zweiten Zyklushälfte häufig einen erniedrigten DAO-Spiegel und neigen in dieser Zeit zu einer gewissen Histamin-Unverträglichkeit. Auch sie sollten gegebenenfalls auf Kaffee verzichten.
  • Auch Energy-Drinks beinhalten Koffein – eine 250-ml-Dose bringt es auf etwa 80 mg, also etwa die Menge, die auch in einer Tasse Kaffee enthalten ist. Durch die Kombination mit weiteren Inhaltsstoffen haben diese Drinks allerdings eine stärkere und andere Wirkung als Kaffee.